Das Leben ist gut

Mag auch alles besser und moderner werden: Das Leben bleibt gut. Kein übles Bonmot, vor allem, wenn Seniorinnen und Senioren miteinander unterwegs sind, und die Reise ins Valsertal führt. Denn wie heisst es doch...?

"Alles wird besser, Valser bleibt gut!" Und das Wort Vals beginnt so, wie es ist: eng, wie zuunterst im Spitz des ersten Buchstabens. Als ob man es hätte beweisen wollen: Bei Uors ging es für eine lange Weile nicht mehr taleinwärts weiter, wo wenig wie für andere talauswärts. Eine Streifkollision von einem Liefer- mit einem Lastwagen versperrte die schmale Strasse. Aus den Panoramafenstern ihres Reisebusses konnten die Engadinerinnen und Engadiner teilweise mitverfolgen, wie das hochgeschichtete Glas zerbrochener Getränkeflaschen über das Trassee in den Abgrund geschippt wurde – als wär's Schnee. Und wie wenn es geschneit hat, kommt man etwas zu spät. Die Gastgeberin Marionne Casutt-Gartmann vom Hotel Steinbock im hintersten Dorfteil wusste aber bereits Bescheid. Die Talbewohner frönen nämlich einer Leidenschaft: Sie teilen einander mit, was auf der Strasse so läuft bzw. fährt. Sind's Lastwagen, sind die Informationen hilfreich. Es gibt keine mühsamen Rückfahr- und Ausstellmanöver und wenig Kollisionen. Von Ausnahmen abgesehen – wie wir in der Zwischenzeit wissen.

Der "Steinbock" ist ein Quader, halbwegs im Berghang. Drinnen ist es gemütlich. Es braucht nicht viel Fantasie, sich hier einen wohligen Fondue-Abend nach einem Skitag vorzustellen. Und damit ist schon gesagt: Das neu gebaute Hotel sucht seine Stärke in der Synergie mit seinem Nachbarn, der Gondelbahn, die die Gäste winters nach oben zu den Pisten bringt. Manch einer und manch eine wäre ganz gerne noch sitzen geblieben und hätte ohne weiteres den Nachmittag auf der Terrasse genossen. Vielleicht hätte man extra die kleine outdoor-Sauna mit dem grossen Holzzuber zum Baden beheizt? Jedenfalls: Ist's gemütlich genug, überzeugt das Konzept eines sogenannten "sanften Tourismus" selbst die Einheimischen einer Hochpreis-Tourismusregion.

Was hat Vals nebst viel Ruhe und Natur pur sonst noch zu bieten? Dass der gigantische Turm des Investors Remo Stoffel (noch) nicht 381 Meter lang aus der Landschaft in die Höhe ragt; die Kirche, die noch "im Dorf" steht, umgeben von den steinbedeckten Häuser, die wie Schafe um ihren Hirten stehen; das "Gandahus", ein Museum; die Therme im architektonisch ansprechenden Bau von Peter Zumthor und natürlich die "Wasserwelten". Und da lief das Besuchsprogramm der Ausflügler weiter: Das Valserwasser ist eines der kalziumreichsten Schweizer Wasser. Was für die Toblerone das Matterhorn ist für das Valserwasser das Zervreilahorn. Es ziert die Etikette. Und das ist naheliegend. Es sieht so steil aus wie ein umgestülptes Valser-V. Im Funktionsbau der Abfüllerei exerzieren stundenlang und in langen Schlangen all die Flaschen, die später die Freiheit zu durstigen Kundinnen und Kunden finden. Ausser, sie enden in Scherben auf der Strasse und simulieren Schnee...

Jetzt könnte die Geschichte wieder von vorn beginnen und das Glas erneut von der Strasse weggeschippt werden. Es wird aber noch besser kommen und doch gut bleiben, wenn die Seniorinnen und Senioren zu ihrem nächsten Ausflug aufbrechen werden – im nächsten Jahr. Zuerst müssen sie nach Hause fahren und auf wirklichen Schnee warten. Und während sie dort warten – auf Schnee und auf die nächste Reise – soll ein herzliches Dankeschön an Pia Stettler von der Evangelisch-reformierten Kirchgemeinde einen grossen Platz bekommen. Auch dieses Mal hatte sie den Ausflug sorgfältig vorbereitet und mit grossem Engagement geleitet. Danke!

Das Leben bleibt gut.

Das Leben bleibt gut.

Das Leben bleibt gut.