Alle Jahre wieder

Diese Worte eines bekannten Weihnachtsliedes treffen auch durchaus auch für die Feiertage im Coronajahr 2020 zu – und doch war diesmal vieles anders: Kreative Lösungen mussten her, damit das Fest sicher und doch weihnächtlich schön begangen werden konnte.

„Walk - in“ Segnungsfeiern in San Gian in Celerina

Mit kurzen „Walk in“ Segnungen wurde Heiligabend in der Kirche San Gian in Celerina im wahrsten Sinne des Wortes begangen: An einem Lagerfeuer vor dem Aufgang zur Kirche wärmten sich Interessierte, bevor sie in kleinen Gruppen eine kurze Feier mit Weihnachtsgeschichte und Gebet, umrahmt von Orgelmusik in der wunderschönen Kirche erlebten. An der Tür wurden sie am Ende mit einem Segen und einem kleinen Licht in den Heiligabend entlassen.

„Die Wärme teilen“

Der Familiengottesdienst am Heiligabend in der englischen Kirche St. John`s in St. Moritz lockte traditionsgemäss jeweils mehr als hundert Personen an. Aus Sicherheitsgründen wurde die Feier diesmal in den Park des Hotel Kempinsky verlegt zweimal durchgeführt: „Die Wärme teilen“ hiess die Wintergeschichte von Max Bolliger, die dabei aufgeführt wurde:

Ein Mann besass ein Haus, einen Ochsen und eine Schafherde. Der Junge, der die Schafe hütete, fror und suchte im Haus des Mannes Unterschlupf. Dieser wies ihn aber ab mit den Worten: „Das Holz ist teuer, ich kann die Wärme nicht teilen“ und liess das Kind draussen in der Kälte stehen. Als der Junge in den Himmel blickte, entdeckte er einen grossen Stern. Er folgte ihm, Hund, Schafe und Ochse begleiteten ihn. Der Mann, dem die Tiere gehörten, bemerkte den Verlust und machte sich auf, seine Tiere zu suchen. Unterwegs geriet er indes in einen Schneesturm und rettete sich nur mit knapper Not in einen Stall. Dort standen alle seine Tiere mit dem Jungen um eine Krippe versammelt. Das Kind darin lächelte den Mann an, als er näher trat. „Ich bin gerettet“, dieser Gedanke durchflutete den Mann. Von da an teilte er von Herzen gerne Holz und Wärme.

Kinder lasen im Wechsel mit Erwachsenen die Geschichte vor, während Stabfiguren sie zwischen selbst gemalten Kulissen nachspielten. Passend zum Thema „Wärme“ erhielt jede Besucherin und jeder Besucher ein kleines Handwärmekissen für den Heimweg.

Wie andere Jahre wohnten auch diesmal rund hundert Personen diesem Familiengottesdienst im Park bei verteilt auf zwei Gruppen.

Am Hirtenfeuer

In Fex-Crasta feierte Pfr. Urs Zangger zusammen mit rund 50 Personen an Heilig Abend an einem Hirtenfeuer neben der Kirche eine schlichte Weihnacht. Wie jedes Jahr wurden Gedanken, Wünsche, Klagen oder Gebete, die Besucherinnen und Besucher in der offenen Kirche in Sils-Maria auf Zetteln aufgeschrieben hatten, dem Feuer übergeben und so von Gebeten begleitet gen Himmel geschickt.

Familienweihnachtsfeier in Samedan

Auch in Samedan war die Familienweihnachtsfeier am 24. Dezember gut besucht. Traditionellerweise gestaltete Annatina Manatschal diesen Gottesdienst jeweils mit einem Krippenspiel, das sie mit Kindern einstudiert hatte. Das Krippenspiel musste diesmal wegen der Pandemie ausfallen, stattdessen erzählte Pfr. Peter Senn-Müller die Geschichte „Das Hirtenlied“ von Max Bolliger. Die Bilder dazu wurden auf eine Leinwand in der Dorfkirche projiziert. In diesem Bilderbuch geht es um ein Kind, das dem König, der geboren worden ist, mit seiner Flöte aufspielen möchte. Als das Kind nicht wie erwartet vor einem Palast steht sondern vor einem Stall, ist seine Enttäuschung riesig. Widerwillig tritt es ein und beginnt zu spielen. Dabei erliegt es dem Zauber von Weihnachten und ist vor Glück überwältigt.

Wegen der Übertragung von Keimen über die Luft durfte kein Blasinstrument die Musik aus der Geschichte zum Leben erwecken, als Hirtin verkleidet brachte aber Debora Koch aus Samedan auf ihrer Gitarre ein Ständchen zum Besten.

Wie Weihnachtsguezli gehören auch Weihnachtslieder zu diesem Fest. Da zurzeit das Singen aber verboten ist, wurden die Liedtexte leise untermalt von entsprechenden Orgelklängen gelesen.

Schutzkonzepte zwangen dazu, die Feiern neu zu denken. Überraschende Formen entstanden daraus, die Anklang gefunden haben und Impulse für die Zukunft geben.

Traditionelle Gottesdienste waren diesmal über die Feiertage weniger gut besucht als in anderen Jahren. Vor allem ältere Personen fürchteten sich wahrscheinlich vor einer Ansteckung mit dem Virus und kamen erst im neuen Jahr wieder in die Kirche.

 

 

Ester Mottini

 

Bilder: Deborah Koch in Samedan, Kirche San Gian in Celerina, Fextal mit Kirche Crasta, St. Moritz im Park des Hotel Kempinsky.