Kirche Samedan, Plaz

Benützungsmöglichkeit und Reservation: Anfragen an das Sekretariat der Evangelisch-reformierten Kirchgemeinde Oberengadin 081 836 22 23. Gottesdienste, kirchliche Feiern, Konzerte, Vorträge, Veranstaltungen. Öffnungszeiten: 9-11:30, 13:30-17 Uhr

Platzangebot: Von drei Seiten Blick zu Kanzel und Abendmahlstisch, teilweise etwas eingeschränkt durch Emporensäulen. Sitzplätze im Schiff 180, auf der Empore 85. Zusätzlich 17 frei verfügbare Stabellen und eine Bank an der Seitenwand der Orgel.

Erreichbarkeit, Parkplätze: Die Kirche steht an der Dorfstrasse mitten im Dorf (Ecke San Bastiaun/Crappun). Wenige Kurzzeitparkplätze an der Dorfstrasse. Parkhaus Bellevue: Zufahrt über die Via Retica.

Kulturgüterschutz: Denkmalschutz von Bund und Kanton.

Würdigungen: "Geistreiche Grundriss-, Raum- und Fassadengestaltung machen aus dem relativ bescheidenen Bau eine der graziösesten reformierten Predigtkirchen." "Der Campanile ist das Wahrzeichen von Samaden und der zierlichste Barockturm Graubündens."

Baugeschichte: Bei der Restauration von 1965 ergaben die archäologischen Grabungen folgende Geschichte der Bauten am Ort der bestehenden Kirche: I. Die romanische Kapelle St. Antonius (ca.13. Jh.) mit späterem Turmanbau - II. Die gotische Kirche (ca.1500). - III. Umbau aus der Zeit nach der Reformation (nach 1560). - IV. Die Hochbarock-Kirche (1682 oder etwas später). - V. Die Spätbarock-Kirche (1760-1770-73). Die Kirchen I-III sind nach Osten orientiert und liegen etwas tiefer als die heutige Kirche. An der Nordwand in der Mitte steht der Turm. Die Apsis der Kirche I wird in II durch einen querrechteckigen Chor ersetzt und dieser in III noch verbreitert - vielleicht bereits als Teil eines Predigtraums. Im Schutt unter II und an der Südwand werden Freskenfragmente aus der Zeit der Kirchen I bzw. II gefunden. Ein tiefgreifender Umbau führt zur Kirche IV: Die Kirche wird nach Osten und stark nach Norden erweitert, erhält ihre Trapezform und richtet sich mit Emporen im Osten und Westen nach der Kanzelnische im Süden aus. Im Norden wird der (schiefe) Turm Teil der Fassade, ragt in den Raum hinein und dient vermutlich auch als Ort für den Eingang. Kirche V: 1760 wird der Turm abgebrochen, 1770-73 das Schiff umgestaltet (unter Antonio Geronimi) und an der Südostecke der neue Turm errichtet (unter Antonio Carlo Ribordi). Der Orgeleinbau erfolgt 1772. Renovationen 1820, 1863, 1895-97 und 1932 brachten Veränderungen des Äusseren. Die Restaurationen von 1965/66 (Kirche und Turm) und 1999/2000 (Fassade und Turm) waren bestrebt, dem ursprünglichen barocken Zustand nahezukommen.

Äusseres: Die Fassade wird durch Monumentalpilaster in drei Felder eingeteilt: Die seitlichen enthalten vertikal je drei mit Stuckornamenten (1897) versehene Fenster, das mittlere das Portal mit Volutenaufsatz und darüber zwei Kartuschen, wobei die zentrale eine Inschrift aufweist. Ein geschweifter Giebel krönt die Fassade, ein Stuckornament (1932) ziert das Giebelfeld und drei bunte eiserne Vasenaufsätze ragen darüber auf. Der ungewöhnlich hohe Turm hat einen lisenengegliederten Unterbau. Die grossen rundbogigen Schallöffnungen sind flankiert  von Pilastern (Glocken 1491, 1791, 1791, 1876). Über einem geschweiften Kranzgesims folgen ein oktogonaler Aufsatz und eine eingeschnürte Zwiebelhaube.

Inneres:
Der Blick fällt zuerst auf die Kanzelnische. Sie ist flankiert von mächtigen Pilastern und Säulen. Auf den Kapitellen sitzen Putten als Gebälkträgerinnen und darüber Vasen mit Blumensträussen. Das stark auskragende Gebälk läuft, soweit sichtbar, um den ganzen Raum. Auf beiden Seiten stehen Emporen mit Balustergeländern auf dreiteiligen Säulenarkaden. Über den trapezförmigen Saal spannt sich ein Schirmgewölbe. Dies ist die Struktur des Baues von 1682. Seine Festlichkeit und Farbenpracht erhält der Raum erst in der Zeit um 1770 durch die Umgestaltung im Sinne des Rokoko: Die Kanzel wir neu errichtet, in geschweifter Form, auf grünem Grund, versehen mit goldenen Rocaillen, überdacht von einem kunstvollen Baldachin. Die Vasen und Blumensträusse werden farbig, Wände und Decken getönt, Elemente des Gebälks und der Kapitelle mit Grautönen hervorgehoben und der umlaufende Fries feurig marmoriert. Ein farbiges Netz überzieht auch die Emporenfronten, und die Strukturen und Rippen des Gewölbes werden durch bräunliche Farbtönungen hervorgehoben. Anstelle des Turmes entsteht die Empore für die Orgel. Treppen mit schmiedeisernen Geländern führen zu den Emporen. Prachtvoll sind Orgelprospekt und geschweifte Brüstung mit beigen, roten, blauen, grünen Farben und goldenen Verzierungen. Ein harfenspielender David besetzt das Giebelfeld der Orgel. Die Orgel wurde mehrmals umgebaut, zuletzt 1969 (Kuhn).
Unter der Kanzel steht der Predigtstuhl (1812) und davor der Abendmahlstisch mit reichgeschnitztem sechsteiligem Fuss und achteckiger Intarsienplatte: in der Mitte der harfenspielende David, umgeben von Blumenranken; in den herzförmigen Feldern des Randfrieses Sonne, Mond und Weltkugel - Adam und Eva - Moses und die eherne Schlange - die vier Evangelisten: Matthäus - Markus - Lukas - Johannes - der apokalyptische Engel mit Sonnenhaupt und Säulenfüssen.


Literatur: KCH, KGR, , POESCHEL ,BATZ, GAUDENZ, MAURER, WIKI, DOSCH, JAHRESB, KAISER, RAIMANN, SAM, WYSS

Bibliographie