Kirche Sils/Segl Fex-Crasta, Santa Margarita

Benützungsmöglichkeit und Reservation: Anfragen an das Sekretariat der Evangelisch-reformierten Kirchgemeinde Oberengadin 081 836 22 23. Gottesdienste, kirchliche Feiern, Konzerte, Vorträge, Veranstaltungen im Sommer. Kirche geöffnet (wenn geschlossen: Schlüssel im Hotel Sonne).
Platzangebot: Im Schiff 45, in der Apsis 7 Stabellen, auf der Empore 20 Sitze, vorwiegend ohne Lehne, Sicht teilweise eingeschränkt durch Brüstungsorgel.
Erreichbarkeit, Parkplätze: Die Kirche steht im Val Fex an der Fexerstrasse in der Nähe des Hotels Sonne Fex. Eine Stufe abwärts führt ins Innere. Fahrverbot ins Val Fex für Motorfahrzeuge. Zentrales Parkhaus in Sils Maria. Zu Fuss 1 Stunde. Kutschenfahrten ab Sils Maria 45 Min.
Kulturgüterschutz: Denkmalschutz von Bund und Kanton.

Führung: Auf Anfrage: Kulturbüro Sils/Segl, Tel. 081 826 52 24, info@kubus-sils.ch

Baugeschichte und Äusseres: Die Gestalt der Kirche liesse einen frühen romanischen Ursprung vermuten, 1356 ist  jedoch St. Lorenz der einzige Sakralbau auf Silser Boden. Die grossen Fensteröffnungen und der siedlungsgeschichtliche Befund sprechen schliesslich  für eine Bauzeit kurz vor oder um 1500. Es entsteht - mit bescheidenen Mitteln - ein einfacher Saalbau mit flach gedecktem Rechteckschiff und eingezogener kalottengewölbter Apsis. Um 1506 wird das Gotteshaus als Kirche der hl. Margareta erstmals erwähnt. Mit 1511 ist das Loretobild datiert, und im selben Jahr ist wohl die ganze Apsis mit den Fresken geschmückt worden. Nach der Reformation werden diese vorerst weiss überstrichen, in den 1660er-Jahren bei der Anbringung eines Verputzes stark beschädigt. In dieser Zeit wird auch das Glockenjoch erhöht, mit einer Dachkehle versehen und einer neuen Glocke (1632) ausgerüstet. Im Innern erhält die Kirche eine Empore (1665) und eine neue barocke Holzdecke und später (1721) eine einfache polygonale Kanzel. 1905 findet eine Renovation statt. 1928 beginnt der Belgier Charles Lefébure mit der Aufdeckung des Apostelfrieses und verursacht bleibende Schäden. Bei einer Renovation 1939 wird im Nordfenster des Schiffs eine Glasmalerei "Beweinung Christi" von Ernst Rinderspacher eingesetzt. Einbau der Brüstungsorgel 1981 (Felsberg). 1968-1976 erfolgt im Rahmen einer Sanierung des Kirchenbaus die professionelle Freilegung der gesamten übrigen Malfläche in der Apsis durch Oskar Emmenegger. Diese Restaurierungsarbeiten werden 2005-08 noch komplettiert und verfeinert. Zudem wird die Stabilität der Kirche gesichert und das Äussere instand gestellt.

Inneres: Die Wandmalereien in der Apsis gehören zu den Werken oberitalienischer Wanderwerkstätten, die sich vor und nach 1500 in Süd- und Mittelbünden aufhielten und unter Beibehaltung überkommener Schemata neue Bildmotive der (Früh-) Renaissance einführten.
Apsiskalotte, Mitte: In der Mandorla der Gnadenstuhl, Darstellung der Dreifaltigkeit: Gottvater auf dem Thron hält den gekreuzigten Sohn vor sich, über dem Sohn die Taube des hl. Geistes. An die Mandorla angefügt die Evangelistensymbole: oben links der Adler/Johannes, rechts der Mensch mit Schrift/Matthäus, unten links der Löwe/Markus, rechts der Stier/Lukas.
Apsiskalotte rechts: Ein Votivbild mit Inschrift: 1511 liess Antonius Januz gemäss seinem Gelübde dieses Bild der seligen Jungfrau Maria von Loreto anfertigen. Die Legende erzählt, dass Marias Geburts- und Wohnhaus von Engeln aus Nazareth fortgetragen und schliesslich in Loreto abgesetzt worden sei (die Santa Casa nun in Form einer Kirche). Links stehen Johannes der Täufer und vermutlich der hl. Paulus, der bei den Aposteln fehlt.

Apsiskalotte links: Maria  als Königin der heiligen Jungfrauen Margareta von Antiochien (mit Drache, Buch und Kreuzstab), Barbara (mit Kelch und Hostie) und Katharina von Alexandrien (mit Krone und Rad). Der Jesusknabe zwischen Maria und Katharina vollzieht die Jungfrauenweihe, indem er Katharina den Vermählungsring an den Finger steckt.

Apsiskalotte vorn: Die Chorbogenleibung ist mit einem Band von
Prophetenbüsten besetzt. Die Schriftbänder über den Häuptern enthalten die (nur teilweise lesbaren) Namen der Propheten.

Apsiswand Mitte: Die Hl. Anna selbdritt: Die Mutter Marias sitzt auf einem prachtvollen Thron und hält auf dem einen Knie die Muttergottes und auf dem anderen den Jesusknaben (Vgl. Silvaplana).
Apsiswand links und rechts: Unterbrochen durch das Anna-Bild reihen sich die Apostelfiguren aneinander und verbinden augenfällig das Neue mit dem Alten Testament. Die Schriftbänder, die ihre Häupter umrahmen, enthalten ihre Namen und Teile des Credos.

Linke Chormauer: Unter dem Fenster ist die Sakramentsnische eingelassen, versehen mit einem in Blendmalerei wiedergegebenen Untergeschoss, das den Inhalt  zeigt: zwei für die Messe benötigte Kännchen mit Wein und Wasser. Rechts daneben: Christus als Schmerzensmann mit Wunden und Marterwerkzeugen, im Grab stehend zwischen Tod und Auferstehung, Opfer und Erlösung, und so den Sinn des Abendmahls verdeutlichend (vgl. Celerina San Gian).

Chorbogenwand links: Der Engel Gabriel verkündigt, begleitet von Geste und Grussformel die Geburt Jesu; die Lilie in seiner Linken ist zugleich Herold- und Jungfräulichkeitssymbol.

Chorbogenwand rechts: Maria, aus ihrem Haus getreten, steht demutsvoll vor einem Betpult. Am Himmel erscheint in einer Gloriole Gottvater und sendet die Taube des Heiligen Geistes aus.


Literatur: KCH, KGR, POESCHEL ,BATZ, GAUDENZ, MAURER, WIKI, GUTSCHER, JAHRESB, SEIFERT, WIKIP, WYSS O

Bibliographie